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Wie alles begann...


von Redaktion Ramelow

05.05.2022

Die Geschichte hinter den Modehäusern - komm mit uns auf Zeitreise!

« 1872 »

Gustav Ramelow wird am 3. Juli 1854 in der mecklenburgischen Kleinstadt Grevesmühlen geboren. Sein Vater ist Kaufmann, er betreibt ein Manufakturengeschäft, so nannte man das damals. Seine beiden Brüder wandern früh in die USA aus, es ist eine harte Zeit, für viele verspricht die „Neue Welt“ ein besseres Leben. Seine Schwester heiratet später auch einen Kaufmann, Gustav macht erstmal eine Lehre in Schwerin.

Als sein Vater ein kleines Unternehmen in Klütz nahe der Ostsee aus der Liquidation übernimmt, kommt Gustavs Stunde. Er hat neue Ideen und will sie selbst umsetzen. So bittet er seinen Vater um ein wenig Startkapital und das Recht, das neue Geschäft eigenständig zu führen. Am 17. Februar 1872 wird das neue Unternehmen bei der Gerichtsschreiberei im Schloß Bothmer zu Klütz eingetragen, die Geburtsstunde des heutigen Unternehmens. Gustav ist da gerade einmal 17 Jahre alt.

In dieser Zeit werden noch oft Stoffe zum Selbstnähen verkauft, die Ware erstmal „angeschrieben“ und dann später bezahlt. Gustav will es anders machen: Fertig konfektionierte Bekleidung und diese nur gegen sofortige Barzahlung. Damals eine Innovation, heute ganz normal. Verkauft wird in dem kleinen Haus in zwei Stuben, direkt aus Kisten und Paketen und das von 6.00 Uhr in der Früh bis abends um 22.00 Uhr. Sein Vater verkaufte neben Textilien auch Baumaterial und Holz – bei Gustav gibt es von Anfang an nur Textilien. Mit dem Geld, das er einnimmt, kann er sofort wieder neue Ware einkaufen. Dafür reist Gustav viel mit der Bahn nach Berlin. 4. Klasse, wir würden das heute „Holzklasse“ nennen. Das spart Geld und wenn er spät abends auf dem Rückweg ist, kann er im Schein seiner Öllampe die neuen Waren kalkulieren.

« 1882 »

Begleitet und unterstützt wird Gustav von seinem zwei Jahre jüngeren Freund Rudolph Karstadt, ebenfalls geboren im kleinen Grevesmühlen. Die Freundschaft hält ein Leben lang, Rudolph lernt viel in den gemeinsamen Jahren und eröffnet dann 1881 sein erstes, eigenes Kaufhaus in Wismar. Konkurrenzdenken gibt es bei den beiden Freunden nicht, Rudolph will raus in die Welt und Kaufhäuser in den Großstädten eröffnen, Gustav bleibt in der Region und sieht die Zukunft in den Klein- und Mittelstädten. Die Geschäfte laufen gut, ein erstes, richtiges Kaufhaus mit Namen „Gustav Ramelow“ wird 1882 gegenüber seinem Elternhaus gebaut, das noch heute an dieser Stelle steht.

« 1887 »

Berlin – die neue Heimat
Bereits 1887 zieht es Gustav nach Berlin. Zunächst in der Englischen Straße, dann am Kurfürstendamm mietet er eine Privatwohnung mit angeschlossenen Büroräumen. So war Gustav näher am Puls der Zeit. Er konnte auf kurzem Wege mit seinen Lieferanten verhandeln und in der Großstadt entdeckte er immer wieder neue Ideen für seine Kaufhäuser. 1891 lernt Gustav seine Frau Margarete kennen und heiratet sie noch im selben Jahr. Margarete stammt aus Bremerhaven, wo viele Jahre später auch ein Kaufhaus eröffnet werden wird.

1895 lässt Gustav eine Bürovilla im Grunewald erbauen. So kommt die ganze Zentralverwaltung in die Hauptstadt. Das denkmalgeschützte Gebäude steht noch heute in der Lassenstraße 11-15 und ist weiterhin im Besitz des Unternehmens. Margarete ergänzt mit ihrem frohen Wesen den strebsamen Kaufmann perfekt, keine Eröffnung eines neuen Kaufhauses, wo sie nicht hinter der Kasse steht und mitten im Geschehen ist.

Das Paar hat vier Kinder, die Brüder Kurt, Wilhelm und Hans treten als junge Kaufleute später ins Unternehmen ein. Ihre Schwester Trude heiratet 1919 den Architekten Fritz Ebhardt, der danach als „Familienarchitekt“ viele weitere Kaufhäuser des Unternehmens erbaut. Sie lieben das gesellige Berliner Leben, viele fröhliche Feiern beleben in den 20er Jahren die Bürovilla im Grunewald.

« 1911 »

Neue Standorte folgen Schlag auf Schlag: Ein Neubau in Klütz folgt 1911 auf die alte Scheune, wo alles begann. Das Kaufhaus steht noch heute und wurde gerade erst von einer jungen Familie erworben, die dort eine Whisky Destillerie eröffnen werden. Für uns ist das ein sehr schönes Gefühl, dass das alte Gebäude neues, zukunftsorientiertes Leben bekommt. 1906 wird bereits in Stendal eröffnet, ein erster Umbau im Jahre 1919 bis dann 1930 das bis heute erhaltene Kaufhaus entsteht. In Uelzen eröffnet das erste Haus 1909, das heutige, denkmalgeschützte Kaufhaus wird im Jahre 1914 erbaut.

Die 2. Generation: Kurt, Wilhelm und Hans
1914–1918 tobt der 1. Weltkrieg in Europa. Auch Kurt und Wilhelm kämpfen in der Wehrmacht, kommen in Gefangenschaft und können sich durch Flucht retten. Vielen Geschäftsführern der Ramelow Kaufhäuser ergeht es ähnlich. Keine leichte Zeit für das junge Unternehmen. 1925 stirbt Gustav in Berlin. Zu dieser Zeit gibt es bereits 26 Kaufhäuser in ganz Nord-Ostdeutschland. Alle in kleinen Orten, bis hinein ins heutige Polen.

« 1928 »

1928 zieht es Wilhelm nach Elmshorn. Er sucht neue Standorte, inzwischen weiter von Berlin entfernt. Er kauft zunächst ein Grundstück in der Marktstraße. Beim Abendessen im dortigen Holsteiner Hof spricht ihn ein Makler an und bietet ein besseres Grundstück in der Königstraße 33-35 an. Der erste Kaufvertrag kann rückgängig gemacht werden und Ramelow eröffnet bald darauf sein 30. Kaufhaus. Ein Jahr später folgt der Standort Bremerhaven und 1930 kann endlich das Eckgrundstück in Stendal erworben werden und Fritz Ebhardt erbaut das bis heute erhaltene, denkmalgeschützte Kaufhaus. 2019 wird das Gebäude sogar in die Feierlichkeiten des 100 Jahre Bauhaus Jubiläums aufgenommen. Wir alle lieben die alten, handgemalten Fenster und die knarrende Holztreppe, die bis heute die drei Etagen verbindet.

Neuanfang im Westen
1933 beginnt eine schwere Zeit. Die Nazis erlassen die Judengesetze, die großen Kaufhausunternehmen, oft in jüdischem Eigentum, werden „arisiert“. Ramelow steht die ersten Jahre noch gut durch, die kleinen Städte sind nicht im Fokus. In Berlin gibt es einen eigenen Produktionsbetrieb, die BHB Berliner Herren Bekleidung. Daneben gibt es drei Einkaufszentralen in Chemnitz, Plauen und Berlin. Hohe Inflation herrscht in diesen Jahren, die täglichen Einnahmen werden in der Nacht per Kurier nach Berlin gebracht, wo extra eingestellte Mitarbeiter darauf warten, das Geld zu zählen und früh morgens zur Bank zu bringen. Denn jede Stunde wurde das Geld weniger Wert.

« 1939-1945 »

1939 beginnt der 2. Weltkrieg, das Unternehmen hat zu diesem Zeitpunkt 33 Geschäfte. Wieder werden viele Geschäftsführer eingezogen. Wilhelm hat drei Söhne und eine Tochter, die beiden älteren Söhne Gustav-Ludwig und Jochen fallen im Krieg, der jüngere Wilhelm-Christoph kann 1945 mit gerade 16 Jahren alleine nach Westen flüchten. Viele Kaufhäuser werden in dieser Zeit zerstört, etwa in Stargard und Neustettin im heutigen Polen. Die drei Brüder erkennen, dass es in Berlin nicht mehr sicher ist. Sie fliehen mit ihren Familien Richtung Westen. Kurt, seine Frau und seine beiden Töchter Sigrid und Ingeborg gehen nach Uelzen. Hans geht nach Bremerhaven und Wilhelm, seine Frau und Tochter Uta fliehen mit dem Pferdewagen nach Lübeck. Nur die Bürgschaft des Elmshorner Geschäftsführers ermöglichen ihnen die Durchreise an der Zonengrenze in Lübeck. Ihren Sohn Wilhelm-Christoph verpassen sie bei der Flucht knapp, erst im Herbst 1945, Monate nach Kriegsende schafft er es in die neue Heimat in Schleswig-Holstein. Die Familie bezieht zunächst das Dachgeschoß im Elmshorner Kaufhaus. Die drei Brüder schaffen es, die drei Kaufhäuser in den Westzonen zum Ende des Krieges zu erhalten. Die anderen 30 Geschäfte im Osten scheinen verloren. Die Wohnhäuser der drei Brüder in Berlin werden alle ausgebombt, wie durch ein Wunder bleibt die Bürovilla im Grunewald verschont.


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